Kreditkarten können im Alltag praktisch sein. Problematisch wird es jedoch, wenn Rechnungen nicht vollständig bezahlt werden können und sich die offenen Beträge von Monat zu Monat erhöhen.
Wer Kreditkartenschulden hat, sollte deshalb nicht nur versuchen, möglichst schnell Geld zurückzuzahlen. Der erste Schritt besteht darin, die gesamte finanzielle Situation zu verstehen.
Wie hoch sind die Schulden tatsächlich? Welche Zinsen fallen an? Welche monatlichen Zahlungen sind erforderlich? Und wie viel Geld bleibt nach den wichtigsten Lebenshaltungskosten überhaupt für die Schuldentilgung übrig?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei finanziellen Engpässen zunächst, einen vollständigen Überblick über alle finanziellen Verpflichtungen zu schaffen. Miete, Energiekosten und Lebensmittel sollten dabei grundsätzlich Vorrang haben.
Die erste Aufgabe: Alle Schulden aufschreiben
Viele Menschen kennen zwar ungefähr ihren Schuldenstand, wissen aber nicht genau, wie viel sie verschiedenen Gläubigern schulden.
Genau hier kann eine einfache Finanzübersicht helfen.
Persönliche Schuldenübersicht
| Gläubiger | Offener Betrag | Zinssatz | Mindestzahlung | Fälligkeit |
|---|---|---|---|---|
| Kreditkarte 1 | € | % | € | |
| Kreditkarte 2 | € | % | € | |
| Ratenkredit | € | % | € | |
| Dispokredit | € | % | € | |
| Sonstige Schulden | € | % | € | |
| Gesamt | € | € |
Ihre Aufgabe: Tragen Sie zunächst alle offenen Beträge ein. Noch geht es nicht darum, Schulden zu bezahlen. Es geht darum, die tatsächliche Situation sichtbar zu machen.
Allein dieser Schritt kann einen großen Unterschied machen, weil aus einem scheinbar unübersichtlichen finanziellen Problem konkrete Zahlen werden.
Wie viel Geld steht jeden Monat wirklich zur Verfügung?
Der nächste Schritt ist ein realistisches Monatsbudget.
Dabei sollten nicht nur Kreditkarten und Kredite berücksichtigt werden. Auch Miete, Strom, Lebensmittel, Versicherungen, Transport und andere notwendige Ausgaben müssen eingeplant werden.
Monatsbudget Deutschland
| Einnahmen und Ausgaben | Monatlicher Betrag |
|---|---|
| Nettoeinkommen | € |
| Kindergeld / sonstige regelmäßige Einnahmen | € |
| Gesamteinnahmen | € |
| Miete | € |
| Strom und Energie | € |
| Lebensmittel | € |
| Versicherungen | € |
| Transport | € |
| Telefon und Internet | € |
| Sonstige notwendige Ausgaben | € |
| Lebenshaltungskosten insgesamt | € |
| Verfügbarer Betrag für Schuldentilgung | € |
Eine wichtige Regel lautet: Nicht einfach die gesamte verbleibende Summe für die Schulden verwenden.
Es sollte weiterhin ein realistischer Betrag für unvorhergesehene notwendige Ausgaben vorhanden sein. Ein Tilgungsplan, der bereits beim ersten unerwarteten Problem zusammenbricht, ist kein nachhaltiger Plan.
Welche Schulden sollten zuerst bezahlt werden?
Wenn mehrere Schulden bestehen, kann eine Priorisierung sinnvoll sein.
Eine verbreitete Strategie ist die sogenannte Zinsmethode. Dabei werden zunächst die Schulden mit den höchsten Kosten besonders stark zurückgezahlt.
Beispielsweise:
| Schuld | Betrag | Zinssatz | Priorität |
|---|---|---|---|
| Kreditkarte A | €2.000 | 19 % | 1 |
| Kreditkarte B | €1.500 | 14 % | 2 |
| Ratenkredit | €5.000 | 7 % | 3 |
| Familienkredit | €1.000 | 0 % | 4 |
In diesem Beispiel würde die Schuld mit 19 % Zinsen besonders stark priorisiert.
Die anderen vereinbarten Zahlungen sollten dabei nicht einfach eingestellt werden. Die zusätzliche Tilgung wird gezielt auf die teuerste Schuld konzentriert.
Eine zweite Möglichkeit: Die kleinste Schuld zuerst
Nicht jeder Mensch kommt mit der Zinsmethode gut zurecht.
Eine andere Strategie besteht darin, zunächst die kleinste Schuld vollständig zu bezahlen.
Beispiel:
| Schuld | Betrag |
|---|---|
| Kreditkarte A | €400 |
| Kreditkarte B | €1.800 |
| Kreditkarte C | €3.500 |
Hier würde zuerst die Schuld von €400 beseitigt.
Der Vorteil: Man sieht schneller ein konkretes Ergebnis. Sobald die erste Schuld vollständig bezahlt ist, kann der bisher dafür verwendete Betrag auf die nächste Schuld übertragen werden.
Finanziell kann die Methode mit den höchsten Zinsen günstiger sein. Psychologisch kann die Methode mit der kleinsten Schuld jedoch für manche Menschen leichter durchzuhalten sein.
Kreditkartenschulden mit einem neuen Kredit bezahlen?
Eine Umschuldung kann unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein. Sie sollte jedoch nicht automatisch als Lösung betrachtet werden.
Ein neuer Kredit kann beispielsweise dazu dienen, mehrere teure Verbindlichkeiten zusammenzufassen. Entscheidend ist aber, ob die Gesamtkosten tatsächlich sinken und ob die monatliche Belastung langfristig tragbar ist.
Besondere Vorsicht ist bei Angeboten wie „Kredit ohne SCHUFA“ oder angeblich garantiert bewilligten Krediten erforderlich. Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Kreditvermittlern und Angeboten, die Menschen in finanziellen Schwierigkeiten mit schnellen Lösungen ansprechen.
Merksatz: Einen neuen Kredit aufzunehmen, nur um kurzfristig wieder etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben, löst das grundlegende Schuldenproblem normalerweise nicht.
Dispokredit nicht zur dauerhaften Schuldenfinanzierung verwenden
Wer sein Girokonto regelmäßig überzieht, sollte besonders vorsichtig sein.
Ein Dispokredit kann für einen kurzfristigen finanziellen Engpass gedacht sein. Wird er jedoch dauerhaft genutzt, kann die finanzielle Belastung schnell steigen.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei bestehenden Schulden, den Dispokredit nicht einfach zur weiteren Finanzierung zu verwenden und stattdessen zu prüfen, ob eine günstigere und tragfähige Lösung möglich ist.
Was tun, wenn Inkasso bereits beteiligt ist?
Wenn eine Forderung bereits bei einem Inkassounternehmen liegt, sollte man nicht einfach irgendeine Ratenvereinbarung unterschreiben.
Zunächst sollte geprüft werden, ob die Forderung und die zusätzlichen Kosten tatsächlich korrekt sind.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Ratenzahlungen zusätzliche Kosten verursachen können und dass bestimmte Formulierungen in Vereinbarungen nachteilig sein können.
Inkasso-Checkliste
| Frage | Erledigt? |
|---|---|
| Ist die ursprüngliche Forderung korrekt? | ☐ |
| Sind die zusätzlichen Kosten nachvollziehbar? | ☐ |
| Wurde die Vereinbarung vollständig gelesen? | ☐ |
| Verstehe ich jede Klausel? | ☐ |
| Ist die monatliche Rate realistisch? | ☐ |
| Habe ich unabhängige Beratung geprüft? | ☐ |
Wenn eine Vereinbarung unverständlich ist, sollte man sich zunächst beraten lassen, anstatt unter Zeitdruck zu unterschreiben.
Was ist eine Schuldnerberatung?
Wenn die monatlichen Einnahmen nicht ausreichen, um die bestehenden Verpflichtungen zu bedienen, reicht ein persönlicher Sparplan möglicherweise nicht mehr aus.
Dann kann eine Schuldnerberatung sinnvoll sein.
In Deutschland gibt es anerkannte Beratungsstellen, die Menschen bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen können.
Die Verbraucherzentrale warnt gleichzeitig vor Anbietern, die mit schnellen Lösungen werben oder hohe Gebühren verlangen. Gute Schuldnerberatung sollte transparent arbeiten, ausreichend informieren und keinen unnötigen Zeitdruck erzeugen.
Was tun bei einer Kontopfändung?
Wenn Schulden bereits zu einer Kontopfändung geführt haben, kann ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto, relevant werden.
Nach den aktuell von der Verbraucherzentrale dargestellten Regeln besteht beim P-Konto ein automatischer Basispfändungsschutz von 1.590 € pro Kalendermonat. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der geschützte Betrag erhöht werden.
Eine aktuelle Bescheinigung zur Erhöhung des Freibetrags kann beispielsweise von einer Schuldnerberatungsstelle, dem Jobcenter, der Familienkasse, dem Sozialamt oder anderen dazu berechtigten Stellen ausgestellt werden.
Das P-Konto ist allerdings keine Methode, um Schulden verschwinden zu lassen. Es dient dem Schutz eines bestimmten Teils des Einkommens vor einer Kontopfändung.
Die interaktive Schulden-Tabelle
Jetzt wird es praktisch.
Kopieren Sie diese Tabelle in Excel, Google Sheets oder eine andere Tabellenkalkulation und tragen Sie Ihre eigenen Werte ein.
| Gläubiger | Startschuld | Aktuelle Schuld | Zinssatz | Mindestzahlung | Extra-Zahlung | Neue Monatszahlung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Karte A | € | € | % | € | € | € |
| Karte B | € | € | % | € | € | € |
| Kredit A | € | € | % | € | € | € |
| Dispo | € | € | % | € | € | € |
| Gesamt | € | € | € | € | € |
Damit können Sie jeden Monat aktualisieren:
Aktuelle Schuld = vorherige Schuld + neue Kosten − geleistete Zahlungen
Je kleiner der offene Betrag wird, desto sichtbarer wird der Fortschritt.
Ihre 12-Monats-Schuldenübersicht
Eine weitere einfache Tabelle kann helfen, die Entwicklung über ein ganzes Jahr zu verfolgen.
| Monat | Schulden zu Monatsbeginn | Zahlungen | Neue Schulden | Schulden am Monatsende |
|---|---|---|---|---|
| Januar | € | € | € | € |
| Februar | € | € | € | € |
| März | € | € | € | € |
| April | € | € | € | € |
| Mai | € | € | € | € |
| Juni | € | € | € | € |
| Juli | € | € | € | € |
| August | € | € | € | € |
| September | € | € | € | € |
| Oktober | € | € | € | € |
| November | € | € | € | € |
| Dezember | € | € | € | € |
Das wichtigste Ziel dieser Tabelle ist nicht, jeden Monat perfekt zu sein.
Es geht darum, einen Trend zu erkennen.
Wenn die Gesamtschulden über mehrere Monate kontinuierlich sinken, funktioniert die Strategie.
Wenn die Schulden trotz regelmäßiger Zahlungen immer weiter steigen, muss der Plan angepasst werden.
Die 5 wichtigsten Zahlen für Ihre persönliche Finanzübersicht
Wer seine Schulden wirklich kontrollieren möchte, sollte jeden Monat fünf Zahlen kennen:
1. Gesamtschulden
Wie viel Geld ist insgesamt noch offen?
2. Monatliches Nettoeinkommen
Wie viel Geld steht tatsächlich zur Verfügung?
3. Fixkosten
Wie viel kostet das notwendige Leben jeden Monat?
4. Schuldendienst
Wie viel Geld fliesst jeden Monat in Kredite und Kreditkarten?
5. Neuer Schuldenbetrag
Wie viel neue Verschuldung ist im vergangenen Monat entstanden?
Gerade die fünfte Zahl wird häufig übersehen.
Wenn jemand €500 zurückzahlt, gleichzeitig aber €450 neue Kreditkartenausgaben erzeugt, wurde die finanzielle Situation nur um €50 verbessert.
Ein einfacher Schuldenfrei-Plan für Deutschland
Phase 1: Überblick schaffen
Alle Kreditkarten, Kredite, Ratenzahlungen, Inkassoforderungen und sonstigen Schulden auflisten.
Phase 2: Neue Schulden stoppen
Nicht notwendige Ausgaben über Kreditkarten, Ratenkauf oder „Buy now, pay later“ reduzieren.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass „Buy now, pay later“ schnell dazu führen kann, dass Verbraucher den Überblick über mehrere laufende Zahlungen verlieren.
Phase 3: Existenzielle Kosten schützen
Miete, Energie, Lebensmittel und andere notwendige Ausgaben haben Priorität.
Phase 4: Schulden priorisieren
Die teuersten Schulden können besonders stark getilgt werden, während andere vereinbarte Zahlungen weiterhin berücksichtigt werden.
Phase 5: Monatlich kontrollieren
Einmal pro Monat die Tabelle aktualisieren und prüfen, ob die Gesamtschuld tatsächlich sinkt.
Phase 6: Bei Überforderung Hilfe suchen
Wenn die Einnahmen nicht ausreichen, sollte frühzeitig eine seriöse Schuldnerberatung in Betracht gezogen werden.
Was man vermeiden sollte
Neue Schulden aufnehmen, um alte Schulden zu verstecken
Ein neuer Kredit kann die Struktur einer Schuld verändern, aber nicht automatisch das Problem lösen.
Kreditkarten weiterhin für Konsumausgaben verwenden
Wenn die Karte gleichzeitig für neue Ausgaben verwendet wird, kann die Tilgung deutlich schwieriger werden.
Nur die monatliche Mindestrate betrachten
Die entscheidende Frage lautet nicht nur:
„Wie viel muss ich diesen Monat bezahlen?“
Sondern:
„Wie viel meiner Zahlung reduziert tatsächlich meine Schulden?“
Unseriösen Finanzsanierern vertrauen
Angebote mit „schneller Schuldenfreiheit“, „Kredit ohne SCHUFA“ oder garantierter Finanzierung sollten besonders kritisch geprüft werden.
Inkassovereinbarungen ungelesen unterschreiben
Ratenvereinbarungen können zusätzliche Kosten und nachteilige Klauseln enthalten.
Die wichtigste Frage: Wie viel kann ich monatlich zurückzahlen?
Hier ist eine einfache persönliche Rechnung:
| Berechnung | Betrag |
|---|---|
| Monatliches Nettoeinkommen | € |
| Notwendige Lebenshaltungskosten | − € |
| Sonstige unvermeidbare Kosten | − € |
| Sicherheitsreserve | − € |
| Realistisch verfügbare Schuldentilgung | € |
Diese letzte Zahl ist besonders wichtig.
Wenn beispielsweise nach allen notwendigen Ausgaben realistisch €300 pro Monat für die Schuldentilgung übrig bleiben, sollte der persönliche Plan nicht so aufgebaut werden, als wären €700 verfügbar.
Ein realistischer Plan ist besser als ein theoretisch perfekter Plan, der nach zwei Monaten nicht mehr funktioniert.
Fazit: Der beste Weg aus Kreditkartenschulden in Deutschland
Kreditkartenschulden verschwinden selten durch eine einzige schnelle Lösung.
Der effektivste erste Schritt besteht darin, die finanzielle Situation vollständig sichtbar zu machen. Danach sollten unnötige neue Schulden vermieden, existenzielle Ausgaben geschützt und die bestehenden Verbindlichkeiten nach Kosten und Dringlichkeit geordnet werden.
Wer seine Schulden selbst kontrollieren kann, kann mit einem festen monatlichen Tilgungsbetrag und einer übersichtlichen Tabelle arbeiten.
Wer dagegen seine Mindestzahlungen nicht mehr zuverlässig leisten kann oder bereits mit Inkasso oder Kontopfändung konfrontiert ist, sollte nicht einfach weitere Kredite aufnehmen. Eine seriöse und möglichst unabhängige Schuldnerberatung kann dann der bessere nächste Schritt sein.
Die wichtigste Veränderung besteht letztlich nicht darin, eine neue Kreditkarte oder einen neuen Kredit zu finden.
Sie besteht darin, dass jeden Monat weniger Schulden vorhanden sind als im Monat zuvor.
Ihre persönliche 30-Tage-Challenge
| Aufgabe | Status |
|---|---|
| Alle Schulden aufgeschrieben | ☐ |
| Gesamtschulden berechnet | ☐ |
| Monatliches Budget erstellt | ☐ |
| Unnötige Kreditkartenausgaben reduziert | ☐ |
| Höchsten Zinssatz identifiziert | ☐ |
| Monatliche Tilgung festgelegt | ☐ |
| Schulden-Tabelle erstellt | ☐ |
| Erste Monatskontrolle durchgeführt | ☐ |
Ziel: Nicht perfekt starten. Einfach anfangen, die Zahlen zu kontrollieren und jeden Monat Fortschritte sichtbar zu machen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Rechts- oder Schuldnerberatung dar. Bei erheblichen finanziellen Schwierigkeiten sollte eine qualifizierte Schuldnerberatung hinzugezogen werden.